Verschiedene Arten von Haarausfall
Haarausfall (Alopezie) ist ein Sammelbegriff für Haarverlust mit unterschiedlichen Ursachen. Die häufigste Form ist die androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall), aber auch Autoimmunerkrankungen (Alopecia areata), stressbedingter Haarverlust (Telogenes Effluvium), Zug durch Frisuren und vernarbende Erkrankungen können zum Haarausfall führen. Das Erkennen des Musters hilft dabei, die richtige Behandlung zu wählen und dauerhaften Haarverlust zu vermeiden.
Was Haarausfall medizinisch bedeutet
„Kahlheit“ bezeichnet in der Regel sichtbare Ausdünnungen oder kahle Stellen auf der Kopfhaut, aber in der Medizin spricht man von Alopezie. Einige Alopezien sind nicht vernarbend, d. h. die Haarfollikel bleiben intakt und ein Nachwachsen ist möglich. Vernarbende Alopezien (cicatriciale) hingegen schädigen die Follikel dauerhaft und können bei verzögerter Behandlung zu irreversibler Kahlheit führen.

1) Androgenetische Alopezie (Männlicher und weiblicher Haarausfall nach Muster)
Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Ursache für fortschreitende Haarausdünnung bei Männern und Frauen. Sie wird durch genetische Veranlagung und die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Androgenen wie Dihydrotestosteron (DHT) ausgelöst, was zu einer allmählichen Miniaturisierung der Haare führt.
Bei Männern beginnt sie häufig mit zurückweichendem Haaransatz und Ausdünnung am Oberkopf. Bei Frauen bleibt die Haarlinie meist erhalten, während die Dichte am Oberkopf und entlang des Scheitels abnimmt.
Die Behandlung kann topisches Minoxidil, verschreibungspflichtige Medikamente (wenn angezeigt) und Haartransplantationen für geeignete Kandidaten umfassen. Ein Arzt kann auch auf andere Ursachen wie Eisenmangel oder Schilddrüsenerkrankungen untersuchen, wenn der Haarausfall übermäßig erscheint.
2) Alopecia Areata (Autoimmunbedingter fleckiger Haarausfall)
Bei der Alopecia areata greift das Immunsystem die Haarfollikel an, was zu plötzlichem, kreisrundem oder ovalem Haarausfall führt. Manche Betroffene entwickeln schwerwiegendere Formen wie Alopecia totalis (gesamte Kopfhaut) oder Alopecia universalis (Kopf- und Körperbehaarung).
Die Kopfhaut erscheint oft normal, ohne starke Schuppenbildung, wobei manche ein Jucken oder Kribbeln bemerken. Der Verlauf ist unvorhersehbar: Haare können nachwachsen, erneut ausfallen oder der Zustand sich verschlechtern.
Dermatologen verwenden häufig topische oder injizierte Kortikosteroide sowie andere immunmodulierende Therapien je nach Schweregrad. Wer einen schnellen fleckigen Haarausfall bemerkt, sollte sich frühzeitig untersuchen lassen, um die Diagnose zu bestätigen und Infektionen auszuschließen.

3) Telogenes Effluvium (Diffuser Haarausfall)
Das telogene Effluvium ist eine häufige, meist vorübergehende Form des Haarausfalls. Es tritt auf, wenn durch einen Auslöser wie Krankheit, Operation, schnellen Gewichtsverlust, Geburt, schweren Stress oder bestimmte Medikamente mehr Haare als üblich in die Ruhephase übergehen.
Der Haarausfall beginnt typischerweise 2–3 Monate nach dem Ereignis und ist beim Duschen oder Bürsten oft deutlich sichtbar. Es entstehen dabei keine kahlen Stellen, sondern eine gleichmäßige Ausdünnung.
Das Nachwachsen ist zu erwarten, sobald der Auslöser behoben ist, doch es braucht Zeit, da Haarzyklen langsam verlaufen. Wenn der Haarausfall länger als sechs Monate anhält oder Symptome wie Kopfhautschmerzen oder sichtbare Entzündungen auftreten, ist eine medizinische Abklärung ratsam.
4) Vernarbende Alopezie (Cicatriciale Alopezie)
Vernarbende Alopezien sind entzündliche Erkrankungen, die Haarfollikel zerstören und durch Narbengewebe ersetzen. Da die Follikel geschädigt sind, kann in den betroffenen Bereichen kein Haar mehr nachwachsen.
Beispiele sind Lichen planopilaris, frontale fibrosierende Alopezie, diskoider Lupus und folliculitis decalvans. Symptome können Brennen, Jucken, Druckempfindlichkeit, Schuppenbildung, Pusteln oder glänzende Areale mit weniger Follikelausgängen sein.
Dies ist ein Fall von „nicht warten“: Eine frühzeitige Behandlung kann das Fortschreiten verlangsamen oder stoppen, auch wenn bereits vernarbte Areale nicht rückgängig gemacht werden können. Der Dermatologe kann Trichoskopie und gegebenenfalls eine Kopfhautbiopsie zur gezielten Behandlung einsetzen.

5) Traktionsalopezie (Haarausfall durch Frisuren)
Die Traktionsalopezie entsteht durch wiederholte Spannung auf das Haar, etwa durch enge Frisuren wie Zöpfe, Pferdeschwänze, Dutts, Haarverlängerungen oder bestimmte Kopfbedeckungen. Sie tritt häufig entlang der Haarlinie und an den Schläfen auf.
Wenn früh erkannt, kann die Reduzierung der Spannung und eine Änderung der Frisuren einen Nachwuchs ermöglichen. Bei jahrelanger Belastung können die Follikel dauerhaft geschädigt werden.
Vorbeugung ist praktikabel: Frisuren abwechseln, Zöpfe und Pferdeschwänze lockerer tragen, Hitze und aggressive Chemikalien einschränken und Frisuren vermeiden, die Schmerzen, Beulen oder Empfindlichkeit verursachen.
6) Trichotillomanie (Haare-Ausreiß-Störung)
Trichotillomanie ist eine Störung, bei der Betroffene sich wiederholt die eigenen Haare ausreißen – oft in Stresssituationen, bei Langeweile oder Angst. Der Haarverlust ist unregelmäßig und zeigt Haare mit unterschiedlichen Längen.
Da die Ursache nicht in den Follikeln liegt, sondern im Verhalten, liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf psychologischer Unterstützung. Gewohnheitsumkehrtherapie und kognitive Verhaltenstherapie sind gängige Ansätze, manchmal in Kombination mit medikamentöser Begleitung.

Weitere Ursachen, die wie Kahlheit wirken können
Manche Kopfhauterkrankungen verursachen Haarausfall oder fleckige Lücken und werden leicht mit „Kahlheit“ verwechselt. Pilzinfektionen (Tinea capitis), Psoriasis und seborrhoische Dermatitis können zu Haarbruch und verstärktem Ausfall führen.
Bei Schuppen, Sekret, Pusteln, geschwollenen Lymphknoten, starkem Juckreiz oder Kindern mit fleckigem Haarausfall ist eine ärztliche Untersuchung ratsam. Infektionen erfordern spezifische Behandlungen, und eine Verzögerung kann die Ausbreitung oder den Haarausfall verschlimmern.
Wie Ärzte die Art des Haarausfalls diagnostizieren
Die Diagnose beginnt meist mit einer Analyse des Musters: Wo tritt die Ausdünnung auf? Wie schnell hat es begonnen? Gibt es Symptome wie Juckreiz, Schmerzen oder Schuppen? Der Arzt kann mit einer Trichoskopie Haare und Follikel untersuchen.
Abhängig von der Vorgeschichte können Blutuntersuchungen auf häufige Ursachen wie Eisenmangel oder Schilddrüsenfunktionsstörungen veranlasst werden. Bei Verdacht auf vernarbende Alopezie kann eine Biopsie des Kopfhauts die schnellste Methode zur Diagnose und Therapieplanung sein.

Behandlungsoptionen je nach Typ
Es gibt keine „beste“ Einheitslösung für alle Arten von Haarausfall, da die Ursachen unterschiedlich sind. Ziel ist es, die Behandlung an die Diagnose anzupassen, Follikel zu schützen und die Dichte dort zu verbessern, wo Nachwuchs möglich ist.
Zu den gängigen Optionen gehören topische Medikamente (wie Minoxidil bei androgenetischer Alopezie), verschreibungspflichtige Therapien, Behandlung der Auslöser bei telogenem Effluvium, Änderung der Frisiergewohnheiten bei Traktionsalopezie und entzündungshemmende Pflege bei vernarbenden Erkrankungen.
Eine Haartransplantation kann bei stabiler Muster-Alopezie mit geeigneter Spenderzone wirksam sein. Bei aktiver vernarbender Alopezie ist sie erst nach Kontrolle der Grunderkrankung sinnvoll.

Wann Sie einen Dermatologen aufsuchen sollten
Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie plötzlichen fleckigen Haarausfall, Schmerzen oder Brennen der Kopfhaut, Eiter, Krusten, schnelle Verschlechterung oder glänzende glatte Stellen bemerken. Diese Anzeichen können auf Autoimmun- oder vernarbende Erkrankungen hinweisen, bei denen frühe Behandlung wichtig ist.
Suchen Sie auch ärztlichen Rat, wenn der Haarausfall länger als sechs Monate anhält oder Symptome einer Anämie, Schilddrüsenerkrankung oder Nährstoffmangel auftreten. Eine frühzeitige Diagnose spart Zeit und unnötige Produkte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die häufigste Form von Haarausfall?
Die androgenetische Alopezie (Muster-Haarausfall) ist die häufigste Ursache für fortschreitende Ausdünnung bei Männern und Frauen.
Kann man Haarausfall vorbeugen?
Einige Formen lassen sich durch Vermeidung von Auslösern – wie das Lockern enger Frisuren oder das Ausgleichen von Mängeln – reduzieren. Genetisch bedingter Haarausfall lässt sich nicht „verhindern“, aber frühzeitige Behandlung kann das Fortschreiten verlangsamen.
Führt Stress zu Haarausfall?
Stress ist ein häufiger Auslöser für telogenes Effluvium, das zu diffusem Haarausfall führt. Nach Beseitigung des Auslösers bessert sich der Zustand meist, aber das Nachwachsen dauert Monate.
Ist jeder Haarausfall dauerhaft?
Nein. Telogenes Effluvium und frühe Traktionsalopezie sind oft reversibel. Vernarbende Alopezien können dauerhaft sein, wenn Follikel zerstört wurden – daher ist eine frühe Diagnose entscheidend.