Welcher Arzt bei Haarausfall?
Die meisten Menschen sollten bei Haarausfall zunächst einen Dermatologen aufsuchen. Ein Dermatologe kann die Ursache diagnostizieren, bei Bedarf Tests veranlassen und eine medizinische Behandlung einleiten. Wenn der Haarausfall stabil ist und eine chirurgische Lösung in Betracht gezogen wird, ist ein qualifizierter Haarchirurg der nächste Schritt. Ihr Hausarzt kann ebenfalls Überweisungen koordinieren.
Beginnen Sie mit einem Dermatologen
Haarausfall ist in der Regel ein Problem der Kopfhaut und der Haarfollikel – deshalb ist der Dermatologe meist die erste Anlaufstelle. Er kann häufige Ursachen wie androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall), vorübergehenden Haarverlust oder entzündliche Erkrankungen unterscheiden.
Ein Dermatologe achtet auf Auslöser wie kürzliche Erkrankungen, Gewichtsverlust, neue Medikamente, straffe Frisuren oder hormonelle Veränderungen. Auch Kopfhauterkrankungen wie Schuppen, Psoriasis oder Infektionen, die den Haarausfall verschlimmern können, werden überprüft.
Suchen Sie möglichst einen Facharzt mit Erfahrung in Haarerkrankungen. Manche Kliniken verwenden den Begriff „Trichologe“, aber Ausbildung und Qualifikation variieren stark – medizinische Qualifikationen sollten geprüft werden.

Wann ein Haarchirurg sinnvoll ist
Eine Haartransplantation kann bei dauerhaftem Haarausfall hilfreich sein, ist aber selten der erste Schritt. Langfristig bessere Ergebnisse erzielt man, wenn die Ursache geklärt ist und der Haarausfall stabil verläuft.
Haarchirurgen sind auf operative Haarrekonstruktion spezialisiert, z. B. auf die Entnahme und Transplantation von Haarfollikeln. In vielen Ländern führen Dermatologen oder plastische Chirurgen mit entsprechender Zusatzausbildung Haartransplantationen durch.
Ein seriöses chirurgisches Beratungsgespräch sollte eine Eignungsprüfung, realistische Erwartungen zur Haardichte, Informationen zu Narben und Heilung sowie einen Plan zum Schutz bestehender Haare enthalten. Seien Sie vorsichtig bei Kliniken, die auf eine medizinische Untersuchung verzichten oder „garantierte“ Ergebnisse versprechen.
Weitere Fachärzte, die helfen können
Je nach Symptomen können auch andere Fachrichtungen beteiligt sein. Ihr Hausarzt kann häufige Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel oder Nebenwirkungen von Medikamenten abklären und entsprechende Überweisungen veranlassen.
Bei hormonellen Ursachen sind ggf. ein Endokrinologe oder Gynäkologe gefragt – etwa bei PCOS, hormonellen Veränderungen nach der Geburt oder in den Wechseljahren. Bei systemischen Beschwerden (Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Hautausschläge) kann ein Arzt auch Autoimmunerkrankungen in Betracht ziehen.
Eine Ernährungsberatung durch eine registrierte Diätassistentin kann sinnvoll sein, besonders nach restriktiven Diäten oder bei Magen-Darm-Beschwerden. Auch psychische Unterstützung kann helfen – etwa bei stressbedingtem Haarausfall, Angstzuständen oder zwanghaftem Haareausreißen.

Was Sie bei einem Termin erwarten können
Der Arzt beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung der Kopfhaut. Fragen zur Familiengeschichte, Schwangerschaft, kürzlichen Erkrankungen, neuen Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten und zur Geschwindigkeit des Haarausfalls sind üblich.
Typische Untersuchungen in der Praxis sind der Haarausfalltest (Pull-Test) und die Dermatoskopie (vergrößerte Betrachtung der Kopfhaut und Haarwurzeln). Es können auch Fotos oder Messungen zur Verlaufskontrolle gemacht werden.
Bluttests werden oft empfohlen, um behandelbare Ursachen wie Schilddrüsenstörungen, Anämie oder Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen festzustellen. In manchen Fällen hilft eine kleine Biopsie der Kopfhaut, vernarbenden Haarausfall oder entzündliche Erkrankungen zu bestätigen.
Behandlungen bei Haarausfall
Die Behandlung richtet sich nach der Diagnose – zwei Personen mit „Haarausfall“ benötigen oft völlig unterschiedliche Ansätze. Der Arzt kann topische Mittel, verschreibungspflichtige Medikamente, Verfahren oder Kombinationen empfehlen.
Bei erblich bedingtem Haarausfall wird häufig Minoxidil äußerlich angewendet. Manche Patienten kommen auch für orale Medikamente infrage, wie Finasterid (vor allem bei Männern) oder Antiandrogene (häufig bei Frauen). Der Arzt berücksichtigt Nutzen, Nebenwirkungen und mögliche Auswirkungen auf eine Schwangerschaft.
Bei entzündlichem oder autoimmunbedingtem Haarausfall können entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide oder andere immunmodulierende Therapien erforderlich sein. Bei Infektionen oder Kopfhauterkrankungen kann eine lokale Behandlung den Haarausfall und Haarbruch reduzieren.
PRP (plättchenreiches Plasma) und Low-Level-Lasergeräte werden in vielen Kliniken angeboten, aber die Ergebnisse sind unterschiedlich und oft kostenintensiv. Fragen Sie nach der wissenschaftlichen Grundlage der empfohlenen Methode, dem vollständigen Ablauf und der Nachsorge.
Eine Haartransplantation wird in der Regel dann erwogen, wenn der Haarausfall dauerhaft und stabil ist und genügend Spenderhaare vorhanden sind. Auch nach dem Eingriff ist oft eine medizinische Erhaltungstherapie zum Schutz der verbleibenden Haare sinnvoll.

Wie Sie den richtigen Arzt oder die richtige Klinik wählen
Achten Sie auf Qualifikationen und Transparenz. Prüfen Sie die Facharztanerkennung, fragen Sie, wer welche Schritte durchführt, und lassen Sie sich Risiken, Erholungszeiten und realistische Ergebnisse genau erklären.
Suchen Sie nach konsistenten, gut dokumentierten Vorher-nachher-Bildern von Patienten mit ähnlichem Haartyp. Bewertungen können hilfreich sein – besonders wenn sie den gesamten Ablauf schildern, nicht nur das Erstgespräch.
Gute Kommunikation ist entscheidend. Am Ende des Termins sollten Sie eine Diagnose, einen verständlichen Behandlungsplan, eine Zeitplanung für Nachkontrollen und Hinweise erhalten, bei welchen Veränderungen Sie sich erneut melden sollten.
Gewohnheiten für gesunde Haare zu Hause
Sanfte Haarpflege schützt empfindliches Haar. Vermeiden Sie straffe Frisuren, reduzieren Sie Hitze und chemische Behandlungen, und behandeln Sie Schuppen oder Juckreiz frühzeitig statt zu kratzen.
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, eisenreichen Lebensmitteln sowie viel Obst und Gemüse. Bei Verdacht auf Mangelerscheinungen ist ein Bluttest sicherer als eine ungezielte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
Stress, Schlafmangel und Rauchen können bei manchen Menschen den Haarausfall beeinflussen. Kleine, stetige Änderungen im Alltag können medizinische Behandlungen sinnvoll ergänzen – auch wenn sie keine alleinige Lösung darstellen.
Häufige Fragen
Sollte ich bei Haarausfall zuerst einen Dermatologen aufsuchen?
Ja. Dermatologen stellen die Ursache fest, prüfen die Kopfhaut auf entzündliche oder vernarbende Erkrankungen und beginnen mit wissenschaftlich fundierten Behandlungen. Sie können auch einschätzen, wann eine chirurgische Beratung sinnvoll ist.
Wann ist Haarausfall ein Notfall?
Suchen Sie schnell medizinische Hilfe, wenn der Haarausfall plötzlich auftritt, fleckenweise ist, schmerzhaft ist, mit Geschwüren oder Schuppen auf der Kopfhaut einhergeht oder systemische Symptome wie Fieber, Gewichtsveränderungen oder starke Erschöpfung vorliegen.
Kann mir mein Hausarzt helfen?
Oft ja. Hausärzte können Medikamente überprüfen, auf Schilddrüsenerkrankungen oder Anämie testen und erste Laborwerte veranlassen. Sie überweisen Sie bei Bedarf an einen Dermatologen oder anderen Spezialisten.
Brauche ich Bluttests?
Nicht jeder benötigt sie – aber sie sind üblich, wenn der Haarausfall neu, diffus oder unerklärlich ist. Tests helfen, behandelbare Ursachen wie Schilddrüsenstörungen, Eisenmangel oder Nährstoffdefizite zu identifizieren.
Wann sollte ich einen Haarchirurgen konsultieren?
Eine Haartransplantation kommt infrage, wenn der Haarausfall stabil ist und Sie eine dauerhafte Lösung suchen. Ein seriöser Spezialist wird trotzdem eine medizinische Behandlung zum Schutz bestehender Haare empfehlen.
Helfen Nahrungsergänzungsmittel bei Haarausfall?
Nur bei nachgewiesenem Mangel oder medizinischer Notwendigkeit. Eine übermäßige Einnahme kann schaden – fragen Sie Ihren Arzt, ob und welche Ergänzungen für Sie sinnvoll sind.